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HaMiPla-Artikel: eine Zusammenfassung : Die perioperative Handhabung von Antikoagulantien in der elektiven Handchirurgie – eine Literaturübersicht

02.08.2016

Ahrens et al. haben in ihrer aktuellen Arbeit die perioperative Handhabe von Antikoagulantien in der Handchirurgie untersucht.

Bei einem elektiven Eingriff ist das Thromboserisiko gegenüber dem Blutungsrisiko abzuwägen. Beide stellen in der Handchirurgie ein relativ geringes Risiko dar, dennoch sollten therapeutische, halbtherapeutische sowie prophylaktische Regimes der Antikoagulation bedacht werden. Mehrere Arbeiten zu dem Thema zeigen unter Antikoagulation mit Marcumar oder fortlaufender Thromozytenaggregationshemmung keine erhöhte Komplikationsrate durch Blutungen.

Ein wichtiger Faktor zur Beurteilung des Schlaganfallrisikos bei Vorhofflimmern und venöser Thromboembolie ist der CHADS2-Score. Insgesamt berücksichtigt dieser Score verschiedene Grundleiden wie Herzinsuffizienz, Hypertonie, das Alter, Diabetes mellitus und erlebte Schlaganfälle mit einer zweifachen Gewichtung. Der häufigste Grund einer medikamentösen Antikoagulation ist das Vorhofflimmern, wobei jedoch andere Zustände wie z.B. Herzklappenersatz oder andere embolische Ereignisse ebenfalls einer adäquaten Antikoagulation bedürfen.

In der Handchirurgie gelten allgemeine Empfehlungen chirurgischer Eingriffe. Darunter ist zu berücksichtigen, dass einerseits eine Operation einen prothrombotischen Effekt auslöst, anderseits aber das Absetzen einer Antikoagulation eine temporäre hyperkoagulabile Situation hervorruft.

Das Paper zeigt unterschiedliche evidenzbasierte Regimes zur perioperativen Antikoagulation bei Grunderkrankungen auf und deren Sinnhaftigkeit. Insgesamt zeigt sich aber auch unter antikoagulativer Therapie kein erhöhtes Blutungsrisiko bei einer Vielzahl elektiver handchirurgischer Eingriffe. Aspirin kann grundsätzlich perioperativ weitergeführt werden, Clopidogrel sollte rechtzeitig abgesetzt werden. Hochrisikopatienten mit einer laufenden antiaggregatorischen Therapie aus Aspirin und Clopidogrel sollten keinem elektiven Eingriff zugeführt werden. Bei der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten und einem INR zwischen 1,3 und 2,9 ist ein elektiver Eingriff möglich, sollte aber bei einem hohen Blutungsrisiko gebridgt werden. Direkte orale Antikoagulantien sollten in Abhängigkeit von Kreatinin-Clearance und Blutungsrisiko abgesetzt werden. Hierbei scheint eine Bridging-Therapie wenig sinnvoll.

Der Artikel ist in der Juni 2016 Ausgabe des HaMiPla zu finden.

Ahrens C et al. Die perioperative Handhabung von… Handchir Mikrochir Plast Chir 2016; 48: 127–135