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Chirurgische Allgemeine Juli/August 2016" Voigt et al.: eine Zusammenfassung : Die schwere Handphlegmone

02.12.2016

Eine Handphlegmone ist eine Infektion der Subkutis und Kutis mit meist Beteiligung der angrenzenden Strukturen wie Sehnen, Faszien und Muskeln. Häufig betroffen ist hierbei der Finger, gefolgt von der Hohlhand und dem Handrücken. Bei immunkompromittierten Patienten kann es zu einer Fortleitung des Infektes mit schlimmstenfalls einem septischen Krankheitsverlauf kommen.

Symptomatisch treten am Lokalbefund eine Rötung, Schwellung und schmerzhafte Bewegungseinschränkung auf. Eine Lymphangitis und –adenitis, Fieber und Schüttelfrost können mitunter einen reduzierten Allgemeinzustand begleiten. Eine zügige Therapieeinleitung soll einen schweren Krankheitsverlauf mit Folgekomplikationen verhindern.

Diagnostisch ist eine Röntgenbilddiagnostik wichtig um eine Fremdkörpereinsprengung auszuschließen. Komplettierend sollte eine Labordiagnostik hinsichtlich der Infektparameter (CRP, Leukozyten, evtl. BSG, PCT, Gerinnung, Harnsäure) erfolgen. Hiermit können mit hoher Wahrscheinlichkeit differentialdiagnostisch ein rheumatisches Geschehen oder ein Gichtanfall ausgeschlossen werden. Der Tetanusimpfstatus ist stets zu prüfen.

Nach Schwere des Befundes sollte entsprechend des zu erwartenden Keimspektrums eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Bei leichter Infektion kann eine Gabe mit Clindamycin bei schwerer Infektion mit Cephalosporinen erfolgen. Bei Verdacht einer Mischinfektion mit Aerobieren und Anaerobiern, wie z.B. Bissverletzungen wird die parenterale Gabe von einem Aminopenicilin empfohlen. Die antibiotische Therapie sollte mit einer Ruhigstellung und Hochlagerung des betroffenen Bereiches einhergehen. Eine kalkulierte Antibiose soll nach Erhalt des Antibiogramms verabreicht werden. Bei Ausbleiben einer Befundbesserung in den ersten 24 Stunden sollte die Indikation zur operativen Sanierung großzügig gestellt werden. Entscheidend bei der operativen Sanierung ist bereit die Planung einer Deckungsmöglichkeit bei ausgedehnten Weichteildefekten.